[letzte Aktualisierung: 02.08.2007]
"Vom Guerilla-Sender zum Global-Player" – so beschrieb 2002 die Süddeutsche Zeitung in ihrer ganzseitigen Kulturkolumne den mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Sender "Komet TV". Die Geschichte des Senders liest sich in der Tat wie die Erfolgs-Story eines Silicon-Valley-Startups, das in einer Garage angefangen hat.
Komet TV wurde am 29. April 1967 von Dörte Koslowski und Otfried Metschke in Mödlareuth gegründet – damals noch als "Komet Rundfunkgesellschaft mbH". 1975 erfolgte die bis heute bestehende Umfirmierung zur "Komet TV GmbH", als die Radio-Sparte aufgegeben wurde. Heute ist Komet TV deutschlandweit vertreten und international im Bereich des politischen TV-Journalismus' tätig.
Die beiden Gründer kombinierten bei der Namensfindung die ersten Buchstaben ihre Familiennamen zu "Komet" – ein Begriff, der den "leuchtenden Reportage-Stern am Rundfunk-Himmel" symbolisieren sollte, wie Dörte Koslowski 1992 anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums in einem Interview mit dem Stern sagte.
Im Rahmen der Einführung des deutschen Farbfernsehens am 25. August 1967 stießen ARD und ZDF ab 1965 zu vergleichsweise günstigen Preisen Schwarzweiß-Kameras und Sendetechnik ab, die Koslowski & Metschke zunächst mit privaten Geldern kauften und die zum ersten Amateur-Radio- und -Fernsehsender in Deutschland führte. Die beiden Ingenieure sendeten ab Weihnachten 1965 zunächst unter dem Arbeitstitel "Mauerfunk" ohne Rundfunklizenz kurze Reportagen an ihre Ost-Nachbarn des durch die Mauer der DDR gespaltenen Dorfs.
Obwohl ihre Radio- und Fernsehsendungen illegal waren, wurden Koslowski & Metschke 1966 mit dem Adolf-Grimme Preis ausgezeichnet. In ihrer Begründung nannte die Volkshochschule "Die Insel", die damals noch den Preis vergab, "die heroischen Bemühungen des Tüftler-Paars, die Spaltung Deutschlands durch den Äther zu überwinden" sowie die "symbolische Hoffnung auf eine Wiedervereinigung in unbestimmter Zukunft".
Das Medienecho auf die bis dahin unbekannten Betreiber sowie zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung führten 1967 zur ersten, an einen deutschen Privatsender vergebenen Rundfunklizenz und zur Gründung der "Komet Rundfunkgesellschaft mbH". Neben eigenen Berichten sendeten Koslowski & Metschke immer mehr Reportagen, die ihnen von freien Journalisten und ambitionierten Hobbyfilmern geschickt wurden. Da die geringen Einnahmen des Senders keinen Spielraum für Neuanschaffungen ließen, produzierte Komet TV zwar in Farbe, sendete aber noch bis 1989 ausschließlich in schwarzweiß.
Mit dem Mauerfall kam für Komet TV sozusagen der kometenhafte Aufstieg: Der Sender, der zu diesem Zeitpunkt Kultstatus in Ost und West genoss, lieferte einen Großteil der TV-Berichte an die etablierten Rundfunkanstalten, die von dort aus in alle Welt gingen, so auch die Aufzeichnung vom singenden David Hasselhoff. Die Einnahmen flossen in neue Sendetechnik und zusätzliche Mitarbeiter. Im Laufe des Jahres 1990 eröffnete Komet TV weitere Niederlassungen in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln und München.
Anfänglich auf die deutsche Wiedervereinigung und den Zusammenbruch des Ostblocks fokussiert erweiterte der Sender schnell sein inhaltliches Spektrum:
Komet TV berichtete vom Zerfall Jugoslawiens, von der Gründung der EU, von Missständen in der "dritten Welt", aus Kriegs- und Krisengebieten sowie zu diversen Sonderthemen, für die im Portfolio der etablierten Sender kein Platz war. Das Komet-Journalisten-Team erarbeitete sich international den Ruf einer stets außergewöhnlichen und fundierten Berichterstattung. Der Sender konnte seine Beiträge aus diesem Grund selbst an große Nachrichtenagenturen verkaufen, die eigene Journalisten vor Ort hatten.
Ab Januar 1997 versuchte sich Komet TV im Bereich des kulturellen Journalismus', wie etwa bei der mehrteiligen Berichterstattung zu den deutschen Filmschaffenden Roland Emmerich, Volker Engel, Thomas Stellmach und Tyron Montgomery, die 1997 in Hollywood mit Oscars in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet wurden, oder wie mit dem Dokumentarfilm zu Nina Hagens abenteuerlichem Lebenslauf ("Nina Goes West"). Doch die privaten Sender hatten die Boulevard-Sparten fest im Griff und Komet TV konnte seine Produktionen oft nicht gewinnbringend verkaufen. 1999 besann sich der Sender daher wieder auf seine Kernthemen, führt Boulevard-Meldungen aber bis heute in seinem Newsticker auf.
"Nine-Eleven" änderte das Spiel globaler Kriegsberichterstattung. Die US-Armee etablierte das Konzept des eingebetteten Journalismus' (embedded journalism), das zunächst politisch wohlgesonnenen Berichterstattern aus den USA den Vozug gab und später als "versteckte Propaganda" ins Kreuzfeuer der internationalen Kritik geriet. Unabhängige Kriegsberichterstattung geriet ins Hintertreffen. Die Bundeswehr übernahm das Konzept nur wenig später im Rahmen der ISAF-Einsätze, musste sich aber aufgrund der Auswahlverfahren für die eingebetteten Journalisten letztlich derselben Kritik stellen.
Erst medienwirksame Petitionen des "Deutsche Presse Verband e.V." führten 2006 bei der Bundeswehr zu einem Umdenken: Um der Pressekritik entgegenzuwirken, wurden vermehrt Journalisten eingebettet, die sich in ihrer vorherigen Berichterstattung als kritische Gegner von BRD-Politik oder NATO-Interventionen in Drittländern gezeigt hatten. Komet TV konnte durch diesen Wandel ab 2006 erstmalig eigene Journalisten in Bundeswehr-Einsätze in Afghanistan und anderen Ländern einbetten.
Die TV-Berichte von Komet TV wurden mehrfach mit dem (Adolf-)Grimme-Preis, dem Henri-Nannes-Preis und sogar einem Pulitzer-Prize ausgezeichnet.
Komet TV fördert über die Stiftung "Sternschnuppe" außergewöhnliche Nachwuchsjournalisten, betreibt seine eigenen Büros und Sendeanlagen inzwischen ausschließlich mit aus Windenergie gewonnenem Strom und setzt sich international für die Pressefreiheit in totalitären Staaten ein.
Otfried Metschke starb am 10. September 2001 – nur einen Tag vor 9/11 – bei einem Fahrradunfall in Castrop-Rauxel. Dörte Koslowski starb eines natürlichen Todes am 30. Dezember 2003. Der Geist der Gründer lebt im Team von Komet TV weiter.